Dominanz und Unterwerfung – sie sind wieder da

Meine Beziehung zum BDSM ist wechselhaft und dauert schon 15 Jahre an. Damals stolperte ich über einen IRC-Kanal und blieb dort fasziniert hängen. Letztlich ging ich in Kiel auch zu einem Stammtisch, war aber in mir selbst nicht genug gefestigt, um mich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann passierte das Leben und ich vergrub mein Verlangen anscheinend tief in mir selbst.

Wer sich die Historie ersparen möchte, springt am besten zur Überschrift „Das Wiedererwachen“ weiter unten.

Ich erinnere mich noch genau, dass es damals vor dem Stammtischbesuch ein Kennenlerntreffen mit den Organisatoren gab. Ob ich selbst darum gebeten hatte oder es so üblich war, erinnere ich nicht mehr. Der Besuch des Stammtischs selbst war okay, aber ich glaube, dass es mich doch zu sehr gestresst hatte. Ich zog mich also wieder ins IRC (Internet Relay Chat, ein Chatnetzwerk) zurück.

Das Thema ließ mich nicht los und ich erlebte ein abgefahrenes Wochenende in München, auch wenn es im Prinzip nur (schöner) Sex war, ohne wirkliche D/s-Komponente. Danach trat BDSM irgendwie in den Hintergrund und tauchte in meinem Kopf und meinen Gefühlen erst etwa 10 Jahre später wieder auf. Ich weiß noch, dass es folgendes Foto aus der Wikipedia im BDSM-Artikel war, das mich stark getriggert hatte:

Foto vom Hinterkopf einer Frau, die ein Halsband trägt

Das ist jetzt ein paar Jahre her und zunächst richtete ich mich bei Fetlife ein. Da ich zur deutschsprachigen Gemeinschaft dort keinen richtigen Kontakt herstellen konnte und mich nicht mit Amerikanern oder Australiern über BDSM unterhalten wollte, ohne wirkliche Chance auf reale Treffen, besuchte ich die Website immer weniger.

Vor ungefähr zwei Jahren stieß ich über eine Bekannte dann auf Joy und war ziemlich happy, weil sich dort jemand nach einer Weile für mich interessierte und wir ins Gespräch kamen. Es folgten einige Monate häufigen Kontakts über WhatsApp und schließlich auch ein Treffen in einem Café in Kiel. Daraus wurde dann eine schöne Freundschaft+, die zu einer Beziehung wurde. Dass dann eine schwerwiegende Nachricht kam, könnt ihr in meinem ersten Blogbeitrag lesen.

Das Wiedererwachen

Und jetzt wird es interessant: Ich legte mir vor ein paar Wochen ein zweites Konto bei Twitter zu, um inhaltlich dem BDSM und meinen Gedanken dazu zu frönen. Dass ich dort einige sehr liebe Leute kennenlernen würde, hatte ich damals noch nicht im Kopf.

Ich kam über ein geekiges Thema mit einer sehr netten Frau in Kontakt, nach und nach tauchten aber auch BDSM-ige Themen auf. Es stellte sich heraus, dass wir beide aktuell (auch) wieder nach unserem D/s suchten. Ich möchte mich bei ihr erneut bedanken, denn ihre Gedanken und Reaktionen inspirieren mich dazu, in mir weiter zu suchen und herauszufinden, was ich brauche und möchte.

Wir stehen uns gegenüber, blicken uns an. Du lächelst, ich lächle, dann senkst du demütig den Blick und gehst langsam vor mir auf die Knie. Mein Blick wird weich, meine Knie auch, als ich mich leicht nach vorn beuge, um dir liebevoll die Hand an die Wange zu legen. Das. ist. es.

Das schrieb ich vor ein paar Tagen auf Twitter und es kam von Herzen. Liebevolles Machtgefälle, das darauf fußt, dass beide Partner ansonsten gleichgestellt sind. Eine Entscheidung, sich zu unterwerfen oder zu führen – oder beides, sofern mensch Switch ist. Ich möchte diese innige Intensität, wenn meine Hand an ihrer Wange ruht oder ich ihr einen Stirnkuss gebe. Das Vertrauen, wenn sie vor mir kniet und meine Hand ihre Kehle umfasst. Die Achtsamkeit und die innnere Aufgewühltheit (und Ruhe!).

Mir wurde auch bewusst, dass ich vom D/s mehr möchte, als rein Sexuelles. ich möchte, dass mein Gegenüber den Drang verspürt, zu dienen und zu umsorgen. Das ist sicherlich etwas, was in Teilen mit meiner Vergangenheit zu tun hat, keine Frage. Ich wünsche mir, dass mein Gegenüber Befriedigung erhält, wenn sie mir mit Achtsamkeit, Sorgfalt und Hingabe ein Getränk serviert. Wenn sie mir die Füße massiert. Sie an mein Knie gelehnt vor mir sitzt und ich ihr sage, wie stolz ich auf sie bin, während ich ihr sanft übers Haar streiche und sie mit liebevollem Blick betrachte. Wenn ich auf sie aufpasse und sie als das behandle, was sie für mich ist: mein größter Schatz.

Die andere Seite

Weiter oben fiel ja auch schon der Begriff „Switch“. Gedanken daran, auch meine devote Seite auszuloten, hatte ich schon einige Male. Ich entsinne mich, dass ich während meiner Fetlife-Zeit einmal morgens aufwachte und ein sehr wohliges Gefühl im Körper spürte. Ich kann mich normalerweise fast nie an Träume erinnern, aber da war es anders: Ich war im Traum mit einer kleinen, zierlichen Frau in einem Bett und fühlte mich unglaublich geborgen. Sie hielt mich im Arm und ich wusste, dass mir nichts passieren würde. Gleichzeitig hätte ich im Rahmen meiner Grenzen jeden ihrer Wünsche zu erfüllen versucht. Es gab eine innige Vertrautheit und ein Einverständnis, das jede Ruppigkeit oder Gewalt unnötig machte. Ich hatte mich entschieden, ihr zu dienen, ihr Zuneigung und Befriedigung zu geben. Da gab es keinen Zwang, sie hatte mich in ihrem Bann.

Wer von meinen eher distanzierten Elternteilen weiß, wird sicherlich erkennen, dass mein heutiges Verlangen nach Nähe, Angenommenwerden und Vertrauen damit zu tun haben. Und das ist in Ordnung so. Ich bin eher dominant, aber diese andere Seite bin ich auch. Zwei Seiten derselben Medaille.

Während des Sex mit meiner Ex-Partnerin gab es ähnliche Phasen wie die oben beschriebenen. Dort entwickelte es sich dynamisch mit jeder Begegnung und wechselte. Es war wie Wogen von aufgeladenen Wellen, die sich hin- und herbewegten, mal stärker, mal schwächer. Wir tanzten mit unseren Körpern, zogen uns aneinander, bedrängten uns, ließen uns wieder los. Liebkosten uns, taten uns weh, taten uns gut.

Das möchte ich wieder haben. Unbedingt.


#bdsm #ds #historie