Fußfetisch – eine persönliche Einordnung

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich gestern auf das Thema gekommen bin, aber es rumort seitdem in mir, wahrscheinlich aber schon länger. Ich möchte das Thema mal ein bisschen – mit meiner ganz persönlichen Perspektive – aus der vermeintlichen Schmuddelecke holen.

Ich mag den Begriff „Fußfetisch“ nicht so gern, wie er emotional aufgeladen und belegt zu sein scheint. Es mag sicherlich Menschen geben, wohl überwiegend Männer, die eine starke Fixierung auf Füße haben. Und gerade dieser ausschließliche Fixierungsgedanke lässt mich selbst ein bisschen nachdenklich zurück. Das hat für mich, in seiner … hmm … implizierten Obsessivität, einen teilweise eher leidenden Charakter. Und auch wenn ich mit solchen Kollegen mitfühle, ist es bei mir nicht der Fall. Ich leide nicht dadurch, dass ich „Füße nicht abstoßend finde“, was meine persönliche Formulierung ist.

Historie

Ich erinnere mich, und ich muss ziemlich klein gewesen sein, dass ich bei meinen Pflegeeltern (tagsüber, meine Mutter arbeitete Vollzeit) im Sommer hinter dem Haus war, wo die Töchter des Hauses sich sonnten. Mindestens eine von ihnen lag auf dem Bauch und ich entsinne mich, dass ich ihre Fußsohlen intensiv betrachtete. Was das über meine heutige Vorliebe aussagt, weiß ich gar nicht so genau. Es ist aber eine meiner wenigen Erinnerungen aus der Zeit, in der ich vielleicht 4 Jahre alt war?

Später lief das alles unterschwellig mit bzw. war ein wenig vergraben. Meine Partnerinnen, mehr dazu später, hatten immer ein angespanntes Verhältnis zu ihren Füßen. Meine letzte Partnerin war da angenehm entspannt und kuschelt auch gern meine Füße mit ihren und mag es, sowohl ihre Füße als auch meine massiert zu haben. Sie hat auch einmal aus Spaß mit ihrem Fuß meinen Schritt gestreichelt, was ich sehr … anregend fand. Und während sie mir ein anderes Mal mit der Hand Spaß bereitete, streichelte sie kurz vor dem Orgasmus plötzlich meine Füße mit ihren und das war ziemlich explosiv. Hach.

Fixierung?

Bei mir ist es, glücklicherweise nicht so, dass ich auf Füße fixiert wäre. Füße sind bei mir eine gleichberechtigte sexuelle Präferenz neben Brüsten, Gesichtern, Pussys, Rücken, Fingern, Schließmuskeln des unteren Rückenbereiches und dem Rest des weiblichen Körpers.

Ich stehe auch nicht auf die manchmal genannten „Stinkefüße“ oder besonders schmutzige. Ganz im Gegenteil, ich mag gepflegte und saubere weibliche Füße. Die gut riechen und sich gut anfühlen. Bislang gibt es bei mir bewusst auch keine devote Komponente – allerdings schoss mir gerade beim Schreiben das Bild durch den Kopf, wie ich meine Wange demütig an einen Frauenfuß anschmiege und zur Ruhe komme. Da wird also, mit entsprechender Gelegenheit, noch einiges zu entdecken sein. <3

Die allgemeine Einstellung zu Füßen

Ich bin mir auch nicht so sicher, wie weit die Einstellung anderer mit dieser scheinbar negativen Aufladung zu tun hat. Ich finde, dass Füße eigentlich nichts Besonderes sind, was Erotik angeht. (Ihre Funktion für den Körper hingegen ist einfach funtastisch!) Ich finde auch Unterarme erotisch oder Hälse. Sogar Ohren kann ich anziehend finden. Was soll dann gerade an Füßen so – Achtung, Zitat – „abstoßend“ sein? Von den Partnerinnen, die ich hatte, fand nur eine einzige ihre Füße akzeptierend okay, die anderen waren richtig abwertend eingestellt. Natürlich gibt es die Frage der Ästhetik: Es gibt sowohl unansehnliche Füße, aber eben auch wunderschöne. Und das ist so subjektiv wie die beteiligten Menschen.

Ich finde es schade, wenn jemand eine so angespannte oder negative Einstellung zu einem bestimmten Körperteil hat. Wenn jemand sagt, dass ihm oder ihr die Füße „egal“ sind, ist das für mich zumindest nicht so negativ belastet. Meine Handgelenke oder Ohren sind mir selbst auch relativ „egal“, das ist aber eben eher neutral und akzeptierend.

Mein „Fetisch“

Ich mag den Sommer, wenn viele Frauen mit Flip-Flops oder Sandalen unterwegs sind. Ich schaue gern hin, finde es ästhetisch und angenehm. Nackte Füße in hellen Jeans finde ich auch ganz toll. Wer Diane Kruger in Das Vermächtnis der Tempelritter in der Szene in der Umkleidekabine gesehen hat, sabbert vielleicht gerade mit mir zusammen …

Ich massiere gern Füße, weil sie sich weich und angenehm anfühlen. „Angenehm“ ist ein Wort, das ich tatsächlich mit Füßen verbinde und ich gebe gern ein gutes Gefühl. Ich kuschele auch gern mit den Füßen (Füße mit Füßen), das macht Spaß und fühlt sich toll an! Eiskalte Füße auf meinen Oberschenkeln, meinem Bauch oder dem Rücken finde ich, wie vermutlich die meisten Männer, aber ganz schrecklich! XD Doch ich ertrage es der holden Weiblichkeit wegen: „UNNNGGGG! … GEHT SCHON! (kreisch!)“ Da soll nochmal jemand sagen, Männer wären nicht leidensfähig und kompromissbereit.

Ein Aufruf

Also, für mehr Toleranz den Füßen gegenüber. Schaut bitte nicht auf Leute herab, die bei Joy „Fußerotik“ unter „Mag ich“ stehen haben, fragt im Zweifel nach, bevor ihr einen tollen Menschen wegen dieses Details abschreibt.

Vielleicht könnt ihr der Aufmerksamkeit, die wir „Fetischisten“ euren Füßen angedeihen lassen, ja doch etwas abgewinnen. Hmm, ich glaube, ich würde mich gar nicht als Fetischisten bezeichnen.


#bdsm #fetisch #füße #gedanken